Von Tantow durch das Salvaytal nach Gartz (mit Mühlenteichen und Naturschutzgebieten)


Die Anreise zu dieser für Wanderer und Radfahrer gleichermaßen geeigneten Tour von insgesamt 22 km Länge erfolgt am besten mit der Eisenbahn und beginnt am Bahnhof Tantow. Von dort führt die Straße zunächst nach Süden Richtung Hohenreinkendorf. Nach etwa einem Kilometer überquert sie die Brücke des Salveybaches und biegt nach 150 m nach links in das Salveytal, vorbei am Forsthaus Tantow. Der Weg führt nun durch das westliche Salveytal, vorwiegend auf dem auch mit dem Fahrrad gut zu befahrenden Damm der 1913 gebauten und 1948/49 demontierten Eisenbahnlinie zwischen Tantow und Gartz.

Der Salveybach, immer noch relativ sauber und nur teilweise begradigt, fließt durch Erlenbruchwald, Schilfröhricht und vorbei an Wiesen und Trockenhängen in den Mühlenteich bei Gartz und von dort in die Westoder. Bereits im 13. Jahrhundert klapperten im Salveytal Wassermühlen. Drei davon sind zumindest ansatzweise noch erhalten. An den Mühlenteichen sind Rohrweihe und Roter Milan, Trauerseeschwalben und Lachmöwen, aber auch Tafelenten, Zwergtaucher und natürlich die Graureiher häufig zu beobachten. An markanten Uferstellen hat der Fischotter seine Spuren hinterlassen.

Eine Ausweisung des Salveybachtales als Naturschutzgebiet befindet sich im Verfahren, sichern diese Flächen doch als Trittstein-Biotope den Genaustausch zwischen verschiedenen Teilpopu-lationen. Viele aufgelassene Äcker und Wegränder sind derzeit in Entwicklungsstadien, die zu Trockenrasengesellschaften führen. Das Salveytal ist also ein Gebiet mit einem hohen Entwick-lungspotential.

Dem Bachtal kommt für die ökologische Vernetzung des Nationalparkes nach Nordwesten hin besondere Bedeutung zu. Sie betrifft zunächst einmal die Feuchtgebiete. Besonders auf der Westseite des Baches gibt es noch aktive Quellhorizonte, die mit der Gesellschaft der Stumpfblütigen Binse eine in Brandenburg sehr seltene Pflanzengemeinschaft beherbergt. Zu den sehr seltenen Arten zählen auch Fieberklee, ein weißblühendes Enziangewächs, Wiesen-Knöterich, Sumpf-Storchschnabel und Herbstzeitlose.

Nicht unerwähnt bleiben sollen einige extensiv bewirtschaftete Kleinäcker, die mit Acker-Rittersporn, dem Acker-Schwarzkümmel, mehreren Mohnarten, der Ackerröte, dem Acker-Leimkraut und sogar der Kleinen Wolfsmilch noch eine Reihe von Ackerunkräutern tragen, bei denen der Fundortrückgang in Brandenburg in den letzten zehn Jahren nur als dramatisch bezeichnet werden kann.

Am Wegrand finden sich auch in einer weitgehend ausgeräumten großflächigen Landschaft immer wieder Hecken- und Feldgehölze. Holunder, Sauerkirsche, Pfaffenhütchen, Weißdorn und Esche gehören zu den wichtigsten biotopbildenden Pflanzen, die beispielsweise Neuntötern und Rebhühnern, aber auch dem Igel und vielen Schmetterlingsarten Unterschlupf bieten. Vereinzelt kommt hier der seltene Raubwürger vor. Auf dem Weg schlängeln sich gelegentlich Blindschleichen. Das Pflanzen und Pflegen von Hecken dient aber auch dem Wind- und Wassererosionsschutz und gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Naturschutzes.

Der Weg führt, wie man es von einer Eisenbahnlinie nicht anders erwarten kann, auf direktem Weg in den westlichen Teil der Stadt Gartz. Interessanterweise heißt die Straße, über die man Gartz erreicht, immer noch "Am Bahnhof". Sobald wir die Bundesstraße 2 erreicht haben, die hier Kastanienallee heißt, können wir entweder gleich links abbiegen, um in das Stadtzentrum von Gartz zu kommen, oder wir erlauben uns einen Abstecher zu den Silberbergen. Dazu müssen wir nach rechts auf die Bundesstraße 2 abbiegen. Wo diese nach links, also nach Süden abbiegt, folgen wir der Landstraße geradeaus weiter nach Westen. Sie führt in Richtung Heinrichshof und Hohenselchow. Am Ende der geschlossenen Bebauung führen mehrere Fußpfade rechts den Hang hoch in das Naturschutzgebiet Silberberge, ein beachtenswerter Trockenrasenstandort, der nur unter Führung der Naturwacht betreten werden sollte.

Diese Sand- und Kalkmagerrasen sind sehr artenreiche Lebensräume, geprägt von hohen Temperaturen und wenigen Niederschlägen. Hier wachsen Kreuzenzian und Kreuzblümchen, Sandstrohblume und Sibirische Glockenblume, hier nisten Neuntöter und Heidelerche und Braunkehlchen. Im Sommer blühen die nur in den neuen Bundesländern vorkommende Sand-Nelke und das Natterkopf-Habichtskraut. Im Frühsommer erscheinen die Blütenstände der violetten Schwarzwurzel und die blasslila Blütentrauben der Sand-Sommerwurz, ein Vollschmarotzer, der völlig chlorophyllfreie Schuppenblätter und Sprossachsen hat. Auch die gefiederten Grannen der Grauscheidigen Federgräser bieten zu dieser Zeit ein eindrucksvolles Bild. Um eine durch den Wind offengehaltene Sandfläche finden wir viele Flechten. Wer sich den Abstecher nicht erlauben will, biegt gleich links herum in die Kastanienallee, umrundet den Mühlenteich und erreicht über die Pommernstraße die Gartzer Altstadt.

Nach der Besichtigung der Altstadt geht es in Richtung Norden über die Stettiner Straße durch das Stettiner Tor. Sobald rechts der Friedhof auftaucht, biegt links der Weg am Kanonenschuppen vorbei in den Tantower Weg ein. Auf der nun folgenden, teilweise gepflasterten Feldstraße, der sogenannten Tantower Landstraße, wandern wir Richtung Norden. Ein Kilometer nördlich von Gartz zweigt linker Hand der direkte und kürzere Weg nach Tantow ab. Wir aber halten uns rechter Hand, bleiben also auf dem geradeausführenden Feldweg, der allerdings bei Regenwetter nur schwer zu befahren ist. Nach ungefähr 2 km erreichen wir die östlich des Weges liegenden Geesower Hügel, später von Süden her die Gemeinde Geesow.

Das Landschaftsrelief beiderseits des Weges ist stark strukturiert. Wir wandern auf einer kuppigen Grundmoräne, die vor ungefähr 14.000 Jahren entstanden ist. Die Bodenverhältnisse sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von sandigen bis lehmigen Bodenarten. Im Frühjahr sind Grauammern und Wachteln auf den Feldern zu hören, im Herbst suchen Kraniche hier nach Nahrung.

Vereinzelt liegen an den Wegrändern kleine Feldsteinhaufen. Sie gehören zu den geschützten Lebensräumen des Landes Brandenburg. Viele Gesteinsbrocken verschiedenster Größe blieben nach Rückzug des Eises auf und in den Bodenablagerungen liegen. Um Schäden an den landwirtschaftlichen Maschinen zu vermeiden, müssen sie regelmäßig von den Feldern abgesammelt und an den Wegrändern abgelagert werden. Dort bieten sie Zauneidechsen und Erdkröten, aber auch vielen Insektenarten Lebensraum und Unterschlupf.

Die Geesower Hügel sind in ihrem Kern auf 3,5 ha seit 1932 geschützt. Mehrere Gebietserweiterungen, letztmals 1984, führten zur heutigen Größe des Gebietes von rund 40 ha. In ihm finden wir die artenreichsten Trockenrasen im nördlichen Oderraum mit sehr vielen vom Aussterben bedrohten Arten. Deshalb ist es streng untersagt, die Wege zu verlassen und die Trockenrasen zu betreten. Wer das Gebiet eingehender studieren möchte, sollte sich unbedingt um eine fachkundige Führung bei der Naturwacht bemühen (Krätke und Krummholz 1981). Das gilt auch für das östlich von Geesow gelegene, 1996 neu ausgewiesene Naturschutzgebiet Trockenrasen bei Geesow.

Hinter den Geesower Hügeln erreichen wir nach einem km Geesow. Wir durchqueren die kleine Ortschaft von Süden nach Norden und biegen dann an der Hauptstraße links ab.

Hinter dem letzten Neubaublock von Geesow zweigt rechts ein Spurplattenweg in Richtung Tantow ab, das 3 km entfernt liegt. Unterwegs sind die Feldraine, die auch die großräumigsten Schläge begrenzen, beachtenswert. Sie sind Rückzugsgebiete für viele Tierarten, beispielsweise für Hasen, Rebhühner und Fasane, aber auch für Schmetterlinge, Käfer und Libellen. Häufige Pflanzenarten sind hier der Feldrittersporn und der Klatschmohn, die Vogelwicke und das Seifenkraut, die Kornblume und die Rispenflockenblume. Diese Pflanzenvielfalt und ihre tierischen Gäste können sich aber nur entwickeln, wenn die Feldraine nicht durch Spritz- und Düngemittel zerstört werden.

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