Presseerklärung 03/2004

Nationalpark Unteres Odertal ist eine Chance für die Region

Eine wiederholt geforderte Novellierung des Nationalparkgesetzes von 1995, insbesondere der von Bischoff und Wiebke (MdL) vorgelegte Novellierungsentwurf wird vom Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks "Unteres Odertal" e. V. entschieden abgelehnt. Dazu erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Ansgar Vössing:

"Der Nationalpark Unteres Odertal ist viel zu schade, um im beginnenden Wahlkampfgetöse verramscht zu werden. Die strukturschwache, zunehmend materiell und personell ausblutende Uckermark verspielt eine ihrer letzten Chancen, wenn sie den einzigen Nationalpark Brandenburgs, den einzigen Auennationalpark Deutschlands weiter demontiert, anstatt ihn zu einem herausragenden Tourismusmagneten zu entwickeln. Eine Abschwächung und Verwässerung des Nationalparkgesetzes von 1995 würde Brandenburg der Lächerlichkeit preisgeben, darüber hinaus würde es eines der bekanntesten und erfolgreichsten Projekte zerstören, die der seinerzeitige Umweltminister Platzeck, heute Ministerpräsident, auf den Weg gebracht hat.

Das Nationalparkgesetz von 1995 war ein schwieriger Kompromiss, der Versuch eines Interessenausgleiches zwischen Naturschützern und Nutzern. Herausgekommen ist dabei seinerzeit ein langes, nicht immer überzeugendes Gesetz, das aber immerhin eine Grundlage für eine zukünftige Entwicklung darstellt. Die einzige substanzielle Einschränkung, die dieses Gesetz vorsieht - alle weiteren Einschränkungen wurden Behandlungsrichtlinien überlassen, die zwar 1998 bereits in Kraft gesetzt sein sollten, bis heute aber noch nicht alle in Kraft gesetzt worden sind - soll nach den Vorschlägen von Bischoff und Wiebke nun gestrichen werden, das heißt, es werden keine Totalreservate mehr ausgewiesen. Darüber hinaus wird die ohnehin sehr schwache Stellung der Nationalparkverwaltung praktisch auf Null reduziert. Jagd, Fischerei und Angelei sollen wie gewohnt und bisher üblich ohne Einschränkungen weitergehen.

Eine solche Novellierung wäre das Ende des einzigen Nationalparks Brandenburgs, es bliebe lediglich die Hülle, also nur noch der Name übrig. Der ist zwar werbewirksam, wäre dann aber sinnentleert ein unverantwortlicher Etikettenschwindel, den unser Verein wie alle Naturschützer ablehnen muss.

Der Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e. V. wird sich weiterhin satzungsgemäß für einen echten Nationalpark, der diesen Namen auch verdient, also einen Nationalpark nach der IUCN-Kategorie II, einsetzen. Aber auch, wenn der brandenburgische Landtag den Nationalpark schwächt oder abschafft, wird der Verein seine Arbeit entsprechend seinen Zuwendungsbescheiden und dem Pflege- und Entwicklungsplan fortsetzen."