Presseerklärung 03/2005

Zum zehnjährigen Gründungsjubiläum des Nationalparks Unteres Odertal

Das für den Nationalpark zuständige Landwirtschaftsministerium feiert am 08. September 2005 den 10. Geburtstag des einzigen brandenburgischen Nationalparks Unteres Odertal. Wir feiern mit. Der 10. Jahrestag ist zunächst einmal ein Grund der Freude und der Zuversicht. Vielleicht ist in 50 Jahren der Nationalpark Unteres Odertal eines der wenigen Projekte, die noch vom Wirken des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Platzeck künden werden.

Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Land Brandenburg die Ziele, die mit einem Nationalpark nun einmal wesentlich verbunden sind, in den letzten 10 Jahren noch nicht einmal ansatzweise erreicht hat. Das betrifft vor allem die noch immer ausstehende Ausweisung von 50 Prozent der Fläche als Wildnisgebiet und die Auflage eines an den konkreten Naturschutzzielen orientierten Förderprogrammes für die in der Zone II auf den verbleibenden 50 Prozent wirtschaftenden Landwirte. Leistung für Gegenleistung, beides gehört zusammen. Viel bleibt also noch zu tun.

Statt dessen planen einige Landtagsabgeordnete nach wie vor die weitere Abschwächung des ohnehin schon recht substanzlosen brandenburgischen Nationalparkgesetzes. Ohne internationale Anerkennung entsprechend der IUCN-Kategorie II wird der Nationalpark aber zum Etikettenschwindel, gibt sich Brandenburg der Lächerlichkeit preis. Wenn es also einen Novellierungsbedarf gibt, dann sollte das Nationalparkgesetz verbessert und nicht verschlechtert werden. Da für eine Verbesserung der politische Wille und vielleicht auch die entsprechende Durchsetzungskraft fehlen, heißt es heute: Hände weg vom Nationalparkgesetz, sonst könnte sich die vom Landwirtschaftsministerium eigentlich als Geburtstagsfeier für den Nationalpark geplante Veranstaltung letztendlich doch noch als Leichenfeier erweisen.

Der Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal e. V. wird jedenfalls weiterhin auftragsgemäß sein Wächteramt zum Schutze der Natur und damit zum Nutzen der Menschen wahrnehmen, auch in den nächsten 10 Jahren.

Thomas Berg
Vorstandsvorsitzender