
Friedrichsthal ist ein historisches Straßendorf und im heutigen Brandenburg
ohne Beispiel. Es wurde in den Jahren 1750-1755 auf Anweisung des preußischen
Königs Friedrich II. für mecklenburgische Leineweber planmäßig angelegt. Seine
Strukturen mit ausgeprägten Sichtachsen und Fluchtlinien sind noch heute deutlich zu
erkennen. Die aneinander gereihten handtuchartig geschnittenen Flurstücke, die
sogenannten Hufen, sind alle auf ähnliche Weise bebaut: Auf der Wasserseite
stehen die Wohnhäuser, auf der anderen die Wirtschaftsgebäude. Dazwischen
verläuft von Norden nach Süden der Kirchsteig, die heutige Dorfstraße. Sie
teilt die Flurstücke und ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. So bildet der Ort
eine geschlossene Einheit. Die moderne Autostraße führt außerhalb des Ortes
westlich an den Wirtschaftsgebäuden vorbei.
Auf dem Kirchsteig spielte sich früher das gesamte öffentliche Leben ab. Leider
gab es nach der Wende jahrelang Streit über seine öffentliche Nutzung, weil er
über Privatgrundstücke verläuft. Die allgemeine Nutzung wird zur Zeit verhindert, obwohl sie
traditionellem Gewohnheitsrecht entsprechen würde.
Sehenswert ist die Kirche in der Mitte des Ortes, ein rechteckig verputzter
Fachwerkbau ohne Turm. Sie wurde im Jahre 1772 erbaut, vielleicht schon 1765
und nach ihrer Zerstörung im Frühjahr 1945 wiederaufgebaut. 1951 konnte sie
anlässlich der 200-Jahr-Feier des Dorfes wieder eingeweiht werden. Im außen wie
innen recht schmucklosen Bau ist vor allem die überdimensionierte Barockkanzel
mit reich geschnitztem Blattschmuck sehenswert. Sie wurde im Jahre 1700 vom Bildhauer Uecker für die Stettiner
Marienkirche geschaffen. 1834
kam die Kanzel aus der vier Jahre zuvor abgebrochenen Stettiner Kirche nach
Friedrichsthal.
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